Archive for September, 2007
3 Gänge zurück!
Nach 4 Belastungswochen steht nun endlich die erste Erholungswoche am Programm, in der ich wohl 10 Stunden weniger trainieren werde als in der letzten. Obwohl das Wetter und das Umfeld ideal gewesen wären, sind die letzten Einheiten nicht mehr ganz rund gewesen. Die gestrige Ausfahrt, 120km Fahrtspiel am Rad, war dann nicht mehr so lustig wie gewohnt. Wenn meine Beine ausgelaugt sind, dann folgen Ersatzhandlungen wie: am Sattel hin- und herwetzen, sich in den Aerobars verkrallen oder ganz einfach an das Ende der Trainingseinheit und das darauffolgende Mittagessen zu denken. Unkonzentriert und leer - aber immer noch voll motiviert!
Aber es ist ja kein Wunder, denn nach knapp 30 Stunden Training folgte der Euratsfelder Marktlauf, 7,4km bei dem ich vor 4 Jahren bereits den 3.Platz erreichen konnte. (Ergebnis) Wieder einmal schaffte ich das Kunststück, den ersten Kilometer in 3min14sec zu laufen, um dann die restlichen km auf 3min32 zu reduzieren. Ich habe absolut kein Tempogefühl, was Laufwettkämpfe betrifft - oder ist es einfach das Gewohnheitstier in mir:” Von Anfang an Vollgas”. Abends möchte ich mir Nudel mit Ei machen, versalze diese komplett und lasse auch diese Mahlzeit aus. Also wen wundert’s, dass die sonntägige Ausfahrt zu einem Desaster wurde?
Zeit für Regeneration mit einem weiteren Wettkampf am folgenden Samstag: dem Amstettner Sparkassen Lauf über 10km. Bis dahin wird viel geschwommen, massiert, sauniert, geschlafen, Hecken geschnitten, Biotop gereinigt, flott auf der Bahn gelaufen,…ach ja, und ein Kontroll-Laktattest am Ergometer! Es sollten erstmals 420 Watt auszufahren sein…
Alle Bilder copyright by NOEN/Vogl
Man beachte die linke Hand am mittlerem Foto - typische “ich bin voll gepeckt”-Handführung
Comments are off for this postDoppelt gemoppelt!
Nachdem ich meine ganze Saisonplanung etwas verschoben habe und im Grunde erst jetzt in meiner Vorbereitungsperiode bin, versuche ich auch einige Rennen zu bestreiten, um einiges an Wettkampfhärte zu bekommen und das tolle Adrenalin-Feeling auszukosten. Diese Rennen absloviere ich klarerweise aus dem “Training heraus”, was soviel bedeutet wie: “Trainiere Montag bis Freitag täglich 5 Stunden und gehe mit leeren Beinen an den Start!” So hatte ich dieses Wochenende ein Einzelzeitfahren über 11km und den Halbmarathon in der Wachau am Programm.
Nachdem ich Samstag früh noch eine 100 minütige Schwimmeinheit in Steyr absolviert habe und danach die Wände in meiner neuen Kraftkammer abgeschliffen habe, habe ich die Zipp-Scheibe auf mein Fahrrad montiert und bin zum Zeitfahren nach Mauer gefahren. Ich habe schon im Vorhinein auf eine niedrige Startnummer gepocht, um im Anschluß noch eine Ausfahrt machen zu können (So ein Samstag könnte ja sonst langweilig werden). So ging ich mit Startnummer 1 ins Rennen und hatte bei den Abfahrten noch mit nassen Straßen zu kämpfen. Nach meiner Unglücksserie im heurigen Jahr bin ich gewiss nicht mehr der mutigste und nahm speziell bei den Bahnunterführungen und Kreisverkehren stark an Tempo heraus. Um die Spannung nicht auf die Spitze zu treiben: ich konnte 310 Watt über 17min halten, und hatte dabei eine (durchschnittliche!) Herzfrequenz von 180 - WER SAGT DASS ICH MICH NICHT MOTIVIEREN KANN? Platz 3 (Ergebnis) in der Altersklasse war ein kleiner Trost für den Streß. Zusatz: da ich zu faul zum kochen war, habe ich mit Niklas anschließend ein Running Sushi Lokal beinahe bankrott gegessen: 29 Teller! das ist neuer Rekord! Als vorbeikommende Kinder unseren Tisch gesehen haben, dachten sie eine muslimische Großfamilie nimmt das Ramadan-Festmahl ein.
Mit halbwegs gefüllten Kohlehydratspeicher (Sushi-Rülps) ging es dann am Sonntag in der Früh nach Spitz/ Donau, wo ich mir zwar vornahm die 21,1 km konstant in 3min45sec pro Kilometer zu laufen, bei der Startaufstellung jedoch das Pech hatte hinter der mehrfachen österreichischen Meisterin Eva-Maria Gradwohl zu stehen. Da ich wußte, dass ich den Zwang habe als geborener Narzist möglichst in der Nähe der TV Kameras zu laufen, wollte ich mich noch zurückdrängen, weil ich wußte, dass das für mich einer Vorverurteilung gleichkommen würde. Die ersten 8km absolvierten wir mit einem Schnitt deutlich unter 3min30 (ich immer in der ersten Reihe!) und wenig überraschend kam nach knapp einer halben Stunde die Erleuchtung, dass ich das bis zum Ende nicht durchhalten würde. Nach einem kurzen Hänger konnte ich bei km 12 dann (endlich ohne den lästigen TV-Kameras) mein eigenes Tempo laufen und lief mit 1std 18min (und ein paar zerquetschten) ins Kremser Stadion. 3min43sec pro km und eine (durchschnittliche!) Herzfrequenz von 184 - WER SAGT DASS ICH KEIN BEISSER BIN? Blumentopf (Ergebnis) gab es für mich keinen zu holen, aber die abschließende Radfahrt durch die schöne Wachau (was ist sonst zu tun an einem Sonntag Nachmittag) war auch ganz nett. Zusatz: vor genau 10 Jahren hat beim Wachaumarathon mit dem ersten Marathon meine (Langdistanz-)Karriere begonnen. Toll was sich geändert hat und wie groß diese Veranstaltung geworden ist.

Was ist schon normal?
“Du bist ja nicht normal!” Wer hat diesen Satz nicht schon mindestens einmal gehört? Zumindest die Triathleten unter Euch hätten sich schon x-mal rechtfertigen sollen/können! Ich höre diesen Satz immer noch! Obwohl ich nun schon etliche Jahre Langdistanz trainiere dachte ich, dass sich mein Umfeld an meine sportlichen Ergüsse gewöhnt hätte. Aber dem ist scheinbar nicht so. Nur weil ich bei 12°C und Regen ins (geheizte) Freibad nach Linz fahre, mitten in der Nacht 20×800m auf der Bahn laufe oder erst zu dem Zeitpunkt mit dem Fahrrad umkehre, als bereits die Autos vor lauter Regen nicht mehr fahren können werde ich als “Ab-Normal” gebrandmarkt.
Aber was ist normal? Gem. Wikipedia bedeutet normal:
- Vorhandenen Normen entsprechend (gesellschaftlichen, wissenschaftlichen, medizinischen, subjektiv erfahrenen)
- Über längere Zeiträume ähnlich ablaufenden Ereignissen entsprechend
- im rechten Winkel/orthogonal (Mathematik)
Okay, lassen wir einmal den 3.Punkt aus, wen interessiert jetzt schon Algebra? Aber seid Ihr da draußen, die Ihr mich als abnormal bezeichnet, so scharf darauf den vorhandenen Normen zu entsprechen? Bestehen die vorhandenen Normen in der Tatsache, dass der brave Bürger um 06.30 Uhr aufsteht, seine Jause für den harten Arbeitstag packt und dann den Großteil des Tages hinter dem Computer sitzt? Ist es normal wenn das einzige Ziel des Tages der Abend ist, an dem man (endlich) nach Hause kommt, um sich dann die Verblödungssendungen im Verblödungs-TV zu inhalieren? Ist das einzige Wochenziel des Durchschnittsbürgers der Samstag, denn am Sonntag hat man schon wieder Angst vor der kommenden Arbeitswoche? Und ist der Saisonhöhepunkt von normalen Menschen der Urlaub in Bibione oder in der Türkei, wo man noch vor seinem Nachbarn seine Arbeitskollegen wieder trifft? Und hast du den Drang dich als echter Österreicher 10mal im Jahr hinter den Massen am Steilhang zu drängeln, um deine neuen Carver auszuprobieren, da du das Schifahren mit normalen Schiern auf Grund fehlender Motorik und Koordination (oder war es nur Faulheit?) nie richtig gelernt hast? Wenn du nur eine dieser Fragen mit Ja beantwortest, dann bist du vermutlich normal, weil du der Norm entsprichst. Gratuliere!
Ich für meinen Teil habe (in Abstimmung mit meiner Familie) ein anderes Leben als meine Norm bestimmt, da ich seit vielen Jahren mit diesen Handlungen sehr zufrieden und zumeist auch sehr erfolgreich bin! Es würde mir nicht einfallen, den “Durchschnittsbürger” als ab-normal zu bezeichnen, da ich vermute, dass er sich sein Leben selbst so gestaltet hat und auch zufrieden damit ist. Also nehme ich mir heraus zu fordern, nicht permanent an meinem Handeln sondern an meinen Erfolgen gemessen zu werden.
“Nicht weil Dinge unerreichbar sind wagen wir sie nicht, weil wir sie nicht wagen sind sie unerreichbar!”
No commentsGemütlich ungemütlich
Jetzt kommt die Zeit, wo das Training schon auf Grund der wettermäßigen Bedingungen sehr anstrengend werden kann. Das Radfahren ist immer ein Lotteriespiel zwischen “bist du deppert i schwitz!” und eingefrorenen Zehen nach stundenlangen Fahrten im Regen. Beim Laufen weiß man nie so recht “kurz-lang” oder doch schon 3/4 Hose? Handschuhe sind jedenfalls immer dabei. Und das Schwimmen gestaltet sich in den ersten 3 Septemberwochen in Amstetten immer besonders schwierig, weil unser Hallenbad geschlossen hat und ich immer in eines der “umliegenden Bäder” (wenn man das so bezeichnen kann) ausweichen muß. Das bedeutet 100km Autofahrt nach Linz bzw St.Pölten…sehr Zeit intensiv!
Die meisten haben ihren letzten Saisonhöhepunkt knapp vor Augen (Ironman Wisconsin), die anderen (Hawaii Starter)können auf einen milden Herbst hoffen und die Herbstmarathonis lassen sich beim Laufen sowieso durch keine Wetterkapriolen erschüttern. Nur was mache ich wenn es im November (erwartungsgemäß) schneit? In der Periode der Höchstleistung sollte ich 30 Stunden pro Woche trainieren,….aber sicher nicht am Ergometer! Der hängt mir nach dem letzten Winter und meiner “Grundlagenperiode” im August schon ein bisserl beim Hals heraus.
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